Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

HöfflmayerHöfflmair, Höfflmayr, Hoffmayer, Pauline

* ca. 1837/1838, weitere Lebensdaten unbekannt. Obwohl eine exakte genealogische Herleitung nicht möglich scheint, ist anzunehmen, dass sie die Enkelin des Aschaffenburger Konzertmeisters und Hofmusikers Thaddäus Valentin Höfflmayr war. Pauline begann bereits im Kindesalter mit dem öffentlichen Violinspiel. Als neunjähriges Mädchen trat sie – vermutlich zum ersten Male – 1847 bei einem großen Konzert in Homburg auf, was die „Wiener allgemeine Musikzeitung“ mit zeittypischer Ironie quittiert: „Schon wieder ein Wunderkind“ (AWM 1847, S. 256). 1849/1850 spielte sie in ihrer Heimatstadt Frankfurt a. M. „Die junge Virtuosin berechtigt zu den höchsten Erwartungen und wird sich nach dem Concert zu weiteren Kunststudien nach Brüssel begeben“ (Neue Berliner Musikzeitung 1850, S.141). 1851 konzertierte sie erneut in Homburg, 1852 gab sie einige Konzerte in Frankfurt a. M. und Umgebung. Im Juli desselben Jahres trat sie im Palast des Fürsten von Wittgenstein in Wiesbaden auf; bei dieser Gelegenheit schenkte ihr der Fürst eine wertvolle Stradivari-Geige. 1853 konzertierte sie in Augsburg und im schweizerischen Aarau, 1854 in Bremen. 1855 war sie nochmals in Frankfurt a. M. zu hören. Weitere Konzertdaten sind nicht bekannt, auch über ihren späteren Werdegang liegen keine Informationen vor.

Pauline Höfflmayer erhielt schon als Kind Unterricht von namhaften Lehrern: 1849 wird ihr ein Lehrverhältnis mit Jean-Delphin Alard (1815–1888) in Paris nachgesagt. Im gleichen Jahr nahm sie in Brüssel Unterricht bei dem Vieuxtemps- und Milanollo-Lehrer Charles-Auguste de Bériot (1802–1870); dabei ist unklar, ob sie Mitglied in de Bériots Klasse am dortigen Konservatorium war. Schon 1851 kehrte sie zurück und wurde in der „Neuen Zeitschrift für Musik“ als Schülerin des Mannheimer Konzertmeisters Aloys Kettenus (1823–1896) bezeichnet (NZfM 1851 II, S. 157). 1855 schließlich berichtet dieselbe Zeitschrift, die Geigerin sei nun Schülerin des Pariser Konservatoriums. Pauline Höfflmayers Interesse an den westeuropäischen Zentren der Streicher-Ausbildung lässt sich möglicherweise mit den dort geltenden hohen Standards, aber auch mit den in deutschen Landen zu dieser Zeit noch fehlenden institutionellen Ausbildungsmöglichkeiten für Geigerinnen erklären.

Über Pauline Höfflmayers Repertoire ist nicht viel bekannt. Erwähnt werden Werke von Julius Eichberg, Pierre Rode und ihrem Lehrer Aloys Kettenus. Die Wahrnehmung ihres Spiels erscheint typisch für diese Zeit. Zwar attestieren ihr die „Signale für die musikalische Welt“ ein „ganz artiges, aber noch lange nicht durchgeschultes Spiel“ (Signale 1854, S. 186). Daneben aber werden als weiblich empfundene Eigenschaften mit ihrem Violinspiel in Verbindung gebracht. Bei einem Frankfurter Konzert etwa „erregte sie durch den natürlichen Adel ihres Adagio’s, durch schönen Ton, auffallende Reinheit und eine elegische Innigkeit die Herzen der Zuhörer. Man übersah deshalb die Mängel an imposanter Technik, welcher überhaupt auch eine so zarte Constitution nicht gewachsen sein kann“ (NZfM 1852 I, S. 228). „Wären ihr die Milanollo und Neruda nicht vorangegangen, so würde Pauline jetzt im Nominativ stehen“ (ebd.). Etwas anders wird nach ihrem Konzert in Augsburg geurteilt: „Die Kraft ihres Tons und die Sicherheit und Eleganz ihrer Bogenführung sind, für ein 16jähriges Mädchen, in der That ausgezeichnet zu nennen, und wenn bei der jungen Künstlerin zu den fleißigen technisch-mechanischen Studien, die sie bereits gemacht, mit dem reiferen Alter auch ernste musikalische Studien hinzutreten, dann kann sie wohl eine bedeutende Violinspielerin werden“ (Düsseldorfer Journal und Kreisblatt 30. Apr. 1853).

 

LITERATUR

Hoefflmayr, Thaddaeus, Konzertmeister des Fürstprimas in Aschaffenburg. Gesuch um Ernennung zum großherzoglich-hessischen Konzertmeister, in: Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Großherzoglich-Hessisches Hausarchiv, Signatur 17/48.

Allgemeine Zeitung München 1853, Beilage zu Nr. 107, S. 1708

AWM 1847, S. 256

Bonner Wochenblatt 22. Mai 1847

Didaskalia oder Blätter für Geist, Gemüth und Publizität 1849, 21. Nov.; 1852, 16. Juli, 12., 29. Okt., 3. Nov.

Düsseldorfer Journal und Kreisblatt 30. Apr. 1853

Illustrirte Zeitung 1850 I, S. 318; 1851 II, S. 362

Intelligenzblatt für die Provinz Oberhessen, im Allgemeinen, den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Besonderen 20. Nov. 1852

Intelligenzblatt für die Stadt Bern 22. Mai 1853, S. 10

Neue Berliner Musikzeitung 1850, S. 141

NZfM 1851 II, S. 157; 1852 I, S. 228; 1855 I, S. 58

Signale 1854, S. 186

Südddeutsche Musik-Zeitung 1854. S. 204

 

VT/LM

 

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