Online-Schriftenreihe des Sophie Drinker Instituts

Herausgegeben von Christiane Barlag / Volker Timmermann

Die Online-Schriftenreihe des Sophie Drinker Instituts bietet ein Forum für die Publikation von Forschungsergebnissen zu Themenfeldern musikwissenschaftlicher Frauen- und Geschlechterforschung. Die Schriftenreihe ermöglicht den kostenfreien Zugang zu den enthaltenen Beiträgen.

 

Nr. 1 (2018)

Christian Ahrens

Der lange Weg von Musikerinnen in die Berufsorchester, 1807–2018.

(Hrsg.: Volker Timmermann)

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Anhand offizieller Daten von fast 70 Orchestern auf allen Kontinenten (mit Ausnahme Afrikas) wird erstmals ein verlässlicher Überblick über die aktuelle Situation von Orchestermusikerinnen gegeben. Zahlreiche Tabellen zum jeweiligen Gesamtanteil von Frauen, ihrem Anteil in den verschiedenen Instrumentengruppen, nicht zuletzt aber zur Zahl der von ihnen eingenommenen Leitungs- und Solostellen zeigen, welche Positionen Frauen in Orchestern heute tatsächlich einnehmen. Regionale Vergleiche bestätigen, dass in Deutschland und Österreich, trotz mancher Fortschritte in den letzten Jahren, noch erheblicher Nachholbedarf besteht, während Orchester in Skandinavien, aber auch in Ostasien und Australien eine Vorbildfunktion haben. Hier könnten Überlegungen ansetzen, wie sich der Anteil von Frauen in deutschen und österreichischen Orchestern vergrößern und ihre bislang bestehende deutliche Unterrepräsentation bei bestimmten Instrumentengruppen ausgleichen ließen.

In einem einleitenden historischen Teil wird der lange Weg der Musikerinnen in die Orchester nachgezeichnet und gezeigt, dass Frauen – zunächst ausschließlich Harfenistinnen – vereinzelt bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in ‚stehenden‘, nicht jeweils ad hoc zusammengestellten Orchestern engagiert waren.

 

Reaktionen und weitere Materialien zum Thema:

Interview mit Christian Ahrens im Deutschlandfunk

Interview mit Christian Ahrens in SWR2

Artikel von Christian Ahrens zur Situation in den deutschsprachigen Orchestern in der FAZ (24. Okt. 2019)

MDR-Themenspezial über Frauen in Berufsorchestern mit verschiedenen Beiträgen zum Thema

 

Die „Französische Vereinigung der Orchester“ [Association Française des Orchestres] sowie der „Arbeitgeberverband im Bereich der Musikschaffenden“ [Les Forces Musicales] haben im Juli 2018 eine Charta verabschiedet, welche die Gleichstellung der Geschlechter im französischen Musikleben zum Ziel hat. Die Charta im Original wie auch in deutscher Übersetzung sowie einige Vorbemerkungen finden Sie hier!

 

 

Nr. 2 (2019)

Freia Hoffmann

Frischer Wind in der Musikpädagogik

(Hrsg.: Volker Timmermann)

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Im Februar 2015 wurde ich aufgefordert, für die Buchreihe „Pädagogik an der Universität Oldenburg in Autobiographien“ einen Beitrag von 20 bis 40 Buchseiten zu verfassen. Ich habe an der Universität 8 Jahre lang als Wissenschaftliche Mitarbeiterin bzw. Hochschulassistentin und 18 Jahre lang als Professorin für Musikpädagogik in der Lehrerausbildung gearbeitet, und die Buchreihe sollte sowohl die Pädagogik wie auch die Fachdidaktiken umfassen.

Als Abgabetermin war der 31. März 2017 festgesetzt – ich hatte also zwei Jahre Zeit, um mir zu überlegen, ob ich etwas so Persönliches wie eine Autobiographie überhaupt publizieren wollte, und wenn ja, wie ein solcher Text aussehen könnte. Dass der berufliche Werdegang im Mittelpunkt stehen sollte, war selbstverständlich; der Herausgeber Bernhard Möller wünschte sich aber ausdrücklich auch eine Schilderung der Kindheit und Jugend, prägende Einflüsse während des Studiums und einen kritischen Blick auf die Berufslaufbahn. Dass in den beiden vorangegangenen Bänden bereits einige gelungene Texte enthalten waren, erleichterte die Entscheidung.

„Frischer Wind in der Musikdidaktik“ erschien 2018 im 3. Band der Reihe im Oldenburger BIS-Verlag. Volker Timmermann, der Herausgeber der Online-Schriftenreihe des Sophie Drinker Instituts, schlug freundlicherweise vor, den Text – auch wenn die Geschichte des Sophie Drinker Instituts nur am Rande thematisiert wird – zusätzlich in seine Reihe aufzunehmen. (Freia Hoffmann)

 

 

Nr. 3 (2021)

Monika Tibbe

„Singen und Sagen“ – Die Kunst, ein Chanson vorzutragen

(Hrsg.: Volker Timmermann)

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Über das Chanson zu Beginn des 20. Jahrhunderts gibt es eine Fülle von Literatur mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Bewertungen. Musikalische Analysen aber sind selten. Auch geht ein Blick auf das im Notentext Fixierte an einer entscheidenden Eigenschaft des Chansons vorbei: Es ist die Vortragsweise, die das Chanson mehr als andere musikalische Gattungen charakterisiert. Ein Mittel der Vortragskunst ist der Sprechgesang, der Wechsel zwischen Sprechen und Singen. Tonaufnahmen zeigen, wie differenziert, wie kunstvoll Chansonsängerinnen – es sind zumeist Frauen – mit diesem Gestaltungsmittel umgegangen sind.

Ausgewählt habe ich zwei Künstlerinnen, die damals sehr berühmt waren und von denen es deshalb Tonaufnahmen gibt: Yvette Guilbert und Claire Waldoff. Ergänzt werden die beiden Porträts durch einen Blick auf zeitgenössische Experimente mit dem Sprechgesang, Schönbergs Pierrot Lunaire und die Songs von Brecht und Weill. Als heutiges Beispiel des Sprechgesangs kommt die Rap-Szene, vertreten durch Kae Tempest, zu Wort und Klang.

 

 

Nr. 4 (2022)

Monika Tibbe

Die Soubrette – ein Frauenberuf um 1900

(Hrsg.: Volker Timmermann)

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Was ist eigentlich eine Soubrette? Dass der Terminus eine weibliche Bühnenrolle umschreibt, kommt einem sofort in den Sinn. Aber welche Art von Rolle genau gemeint ist, dürfte wenig bekannt sein. Das liegt auch an der inhaltlichen Weite des Begriffs: Schon dass es Soubretten sowohl im Musik- als auch im Sprechtheater gibt, macht die Zuordnung schwierig. Hierzulande sind Soubretten seit dem 18. Jahrhundert auf der Bühne zu finden – und damit früh schon als Theaterrolle. Charakterlich ist die Soubrette munter, verschmitzt und humorvoll. Solch Witz und Leichtigkeit zeichnet auch das Stimmfach der Soubrette aus, die in – oft hoher – Sopranlage singt. Soubretten gibt es in Oper und Operette, aber auch im Musical und der Kleinkunst, und damit zwischen den Grenzen „ernster“ und unterhaltender Musik.

Monika Tibbe fokussiert in ihrem Beitrag einen spezifischen Typus der Soubrette: Es geht ihr um Frauen, die um 1900 in Varietés und ähnlichen Unterhaltungsstätten auftraten. Die Tätigkeiten dieser wichtigen und einst verbreiteten Repräsentantinnen einer in jenen Tagen aufblühenden Unterhaltungskultur finden ihren Widerhall in verschiedenen Typen von Quellen. Dabei greift die Autorin nicht nur auf zeitgenössische Beschreibungen und andere Arten von Schriftquellen zurück, sondern auch auf Bildpostkarten, für die Soubretten oft als Sujet dienten. Mit den Beschreibungen von Äußerem, Herkunft, Tätigkeitsfeld und Berufsbedingungen entwirft Monika Tibbe in ihrer sozialgeschichtlich angelegten Studie ein aufschlussreiches Bild der Soubrette als Frauenberuf um 1900. (VT)